FeminIsmus.

Die aktuellen Auseinandersetzungen mit dem Thema Feminismus hier und hier und auch hier finde ich sehr interessant. Ich habe mich nie tiefer mit Feminismus als Forderungskatalog oder Lebenseinstellung befasst.

In den immer noch feminismusdebattendominierten 80er Jahren, als ich langsam von der Pubertät ins Erwachsensein tastete, hatte der Begriff ein Gesicht, und das hieß Alice Schwarzer. Frau Schwarzer ist sicherlich eine unglaublich dynamische und intelligente Frau, aber leider hat sie einen - in der Verhaltensbiologie unbestrittenen - Makel: sie ist keine Schönheit, eher ein herber Charakterkopf, und sie wirkt auf den ersten Blick nicht sympathisch. Vermutlich liegt es daran, dass mich Feminismus eher abstieß, dieses permanente Zurückziehen auf das vermeintliche, aber umso betontere, Anderssein aber exaltierte Pochen auf Gleichberechtigung. Angefangen bei der Farbe lila über die einseitig getragenen aus Fimo selbstmodellierten Ohrringe bis hin zu den an Klotüren geschmierten Weiblichkeitssymbolen - alles das schien mir irgendwie Ausdruck einer Subkultur, eines geheimen Codes. Identifizieren konnte ich mich nicht damit.

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die vordergründig eher traditionell ausgerichtet ist, mit allen Konsequenzen: verheiratet, bis dass der Tod die Ehepaare scheide, aber Geliebte nebenbei, Männer wie Frauen, weibliche Kleidung, Make Up, die Männer allesamt sehr auf ihr männliches Äußeres bedacht... Andererseits waren die Frauen allesamt ehrgeizig, gut ausgebildet aus eigenem Antrieb, widerspenstig gegenüber männlichen Vormachtsansprüchen. Und eben leistungsorientiert. Das Ergebnis zählte, ob im Privatleben (freundschaftlicher Umgang der Eheleute) oder im Berufsleben, der Öffentlichkeit. Daher ist weibliches, möglicherweise als traditionell zu betrachtendes, Rollenverhalten für mich kein Widerspruch zu einem selbstbestimmten Leben. Und hier liegt für mich auch der Schlüssel zu allem, was mit dem Dogma einer feministischen Einstellung bricht: der Selbstbestimmtheit.

Frauen heute haben es mit Sicherheit leichter als früher, aber sie hatten es immer schon in der Hand, wie sie wahrgenommen wurden: verbissen oder durchsetzungsstark, dynamisch oder nervig, was auch immer so an Gegensatzpaaren einfällt. Und wenn sich eine Frau im Beruf auf den Standpunkt zurückzieht, sie könne nicht durch die gläserne Decke stoßen, dann verstehe ich das. Denn es gibt Firmen, in denen Frauen das Vordringen in mittlere und höhere Managementposten schier unmöglich ist. Aber dann ist frau gefordert, zu kämpfen, zu akzeptieren oder zu gehen und womöglich in eine Firma zu wechseln, in der sie den Aufstieg schafft. Es gibt aber eben immer noch genug Frauen, denen meiner Ansicht nach der Biss fehlt, sich den beruflichen Konfrontationen zu stellen und die sich gern in eine Babypause fallen lassen. Pauschalisiert, ich weiß, aber sehr oft erlebt.

Das ist im privaten Bereich nicht anders. Mann kann ebenso gut eine Wasch-, Spül- und Was-weiß-ich-Maschine bedienen wie frau, aber wenn ich höre, dass sich Freundinnen ganz freiwillig der Hausarbeit stellen, mehr tun, denn "wenn ich es mache, dann ist es wenigstens ordentlich gemacht, Männer sind so hudelig und unmotiviert", dann bekomme ich das Kotzen. Denn das ist nur allzu bequem, und es schafft eine quasi opfervolle Machtposition, die mich anwidert. Man kann Hausarbeit aufteilen, und wie in jeder guten WG, problemlos aushandeln. Das verschafft eine viel größere Machtposition in meinen Augen, denn es unterstützt eben die Selbstbestimmtheit eines Menschen, wenn er darauf von Anfang an besteht, dass die Pflichten und Rechte gleich verteilt werden.

Der Kampf um Gleichberechtigung fängt meiner Meinung nach in erster Linie mit der Auseinandersetzung der eigenen Fähigkeiten und Ziele an. Egal, ob man sich als Amazone auf die Jagd begibt oder sich sehr Mutti fühlt.

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