Ich reagiere da allergisch, hörte ich oft von meiner Mutter, die ein wahrer Ausbund an körperlichen Reaktionen auf ihre Umwelt ist. Kein Sommer ohne saftigen Heuschnupfen, eine Nesselsucht im Herbst und die trockene Heizungsluft bringt eine Überempfindlichkeit hervor, die schleunigst mit heilenden Salben bekämpft werden muss.
Nun bin ich von derartigen Qualen weitgehend verschont geblieben. Offenbar haben sich die Gene meines Vaters durchgesetzt, irgendeine Kopplung von Kurzsichtigkeit und Allergieresistenz wahrscheinlich.
Bis Freitag. Freitag wollte ich der Welt meinen Nadelstreifenanzug präsentieren. Meinen ersten Nadelstreifenanzug, betone ich, da ich bislang doch mehr der lässigen Bekleidungsart zugetan war. Aber die Zwänge, man weiß ja. Diesen Nadelstreifenanzug habe ich noch nicht lange in meinem Besitz. Ergo: Noch nie getragen. Und anders als Unterwäsche wasche ich Oberbekleidung selten vor dem ersten Tragen.
Hätte ich's mal tun sollen.
Kurz gesagt: Es juckte. Höllisch. Da ich mich vor den neuen Kollegen nun nicht gerade durch permanentes Am-Arsch-kratzen empfehlen wollte, raste ich alle halbe Stunde auf die Toilette, um dem immer drängenderen Juckreiz nachzugeben. Bis Feierabend zierten etliche rote Striemen Oberschenkel und Gesäß. Zu Hause angekommen, riss ich mir das gute Stück vom Leib und sah in den Spiegel: Knallrote Haut. Von den Knien bis zur Hüfte.
Ich bin nun doch meiner Mutter nachgeraten. Ich bin Allergikerin. Aber mit einer exklusiven Variante: Nadelstreifenallergie.
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